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HACIENDA und die bodenlose Stadt

Ausstellung des interdisziplinären Projekts am 25.-27.2.2025 in den Räumen der Schlüterstraße, Fakultät ARS, FH Erfurt

Der Titel des interdisziplinären Studienprojekts im Wintersemester 2024/25 heißt: Hacienda. Was ist eine Hacienda? Mit Hacienda wird zunächst ein Landgut in Lateinamerika bezeichnet – es geht also um Grund und Boden, um Gebäude, Betrieb und Grundstück. Das ist eine erste Dimension des Themas. Eine zweite Dimension folgt daraus, dass Hacienda der Name eines ehemaligen Techno-Clubs in Manchester ist, und zwar eines legendären Clubs, der in den 1980er Jahren das Genre Housemusik prägte. Der Name dieses Clubs – Hacienda – war wiederum eine Anspielung auf ein Zitat von Ivan Chtcheglov, einem französischen Künstler, Aktivisten und Dichter, der 1953 im Alter von 19 Jahren ein Manifest für einen neuen Urbanismus veröffentlichte. ‚Hacienda‘ steht in unserem Projekt nicht für einen konkreten Bautyp, sondern dient als Chiffre für einen Traum, der vielversprechend ist, aber unklar, und somit erfindbar: erst noch auszudenken. Eine Art Fata Morgana, der nachzuspüren ist, indem sie realisiert wird, aktiv, mit Fantasie und Mut. Das haben wir versucht. Unsere Fragen waren: Brauchen wir eine Hacienda? Was wäre heute solch ein ‚Sonnentempel‘? Welche Art von Gebäude, welche Gestaltung der Umwelt würde die aktuelle Lähmung auflösen können? Auf welchem Boden könnte sie stehen?

In unserem interdisziplinären Studienprojekt sind die drei Fachrichtungen Architektur, Landschaftsarchitektur sowie Stadt- und Raumplanung vertreten. Im Wintersemester 2014/25 haben in dem Studienprojekt 39 Studierende in disziplinär gemischten Konstellationen zusammengearbeitet. Nach der ersten Projektphase haben wir mithilfe eines diskursiven Formats die Struktur des Projekts geändert und in fünf disziplinär gemischten Teams weitergearbeitet. Das selbstgesteckte Ziel dabei war es, die Ergebnisse der Phase zwei in einer großen Ausstellung der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wir vertieften die Recherchen, folgten Ideen und versuchten auch, einige unserer Erkenntnisse auf die Stadt Erfurt zu übertragen.

Das Team ‚Nomadic X‘ erforschte, wie sich Utopien, Migration und das Nomadische überschneiden und welche gesellschaftlichen Fragen sie aufwerfen. Inspiriert von der Idee der „bodenlosen Stadt“ und Chtcheglovs „Hacienda“ betrachten sie visionäre Architektur, historische Entwicklungen und moderne Bewegungsformen, um Anstöße dafür zu geben, Konzepte von Freiheit, Zugehörigkeit und Stadt neu zu denken. Entwickelt wurde dabei eine bewusst ambivalent gehaltene Mikroarchitektur, ein Vehikel, mit dem die Debatten und Diskurse zu den Fragen der nomadischen Stadt transportiert werden.

Das Team ‚Hacienda Resistencia‘ beschäftigte sich mit der Suche nach bestehenden, mit der Entdeckung von bereits verschwundenen sowie mit der Verteidigung jener Haciendas, die aktuell bedroht sind. Die Gruppe analysiert die Entwicklungen und Dynamiken, die dazu geführt haben, dass bestehende Haciendas in Gefahr sind. In verschiedenen Maßstäben erforschte die Gruppe, wo Haciendas entstehen, welche Bedingungen sie benötigen und was eine Hacienda ausmacht. Ihr Ziel war es, bestehende Haciendas zu schützen, verlorene sichtbar machen und neue Möglichkeiten aufzuzeigen.

Das Team ‚Bored in Erfurt‘ löste sich zeitweise vom Boden und gab sich der Emotion der Langeweile hin. Die Gruppe analysierte die Vielfältigkeit der Langeweile, ihre Bedingungen, ihre Auswirkungen und die Verortung im städtischen Raum. Gefragt wurde, was die Menschen in der Stadt langweilt, wie sie auf Langeweile reagieren und wo Raum und Boden für Langeweile ist.

Das Team ‚Kontrollverlust‘ begab sich auf eine Reise – gesucht  wurde die Idee von Hacienda, auf der Suche  wurde (zeitweise) die Kontrolle verloren. Schlussendlich hat sich das Team die Frage gestellt, wie sich verschiedene Intensitäten der Kontrolle auf die Stadt auswirken und ob durch Balance von Einflüssen eine Hacienda geschaffen werden kann. Der Kontrollverlust des Teams war eine Erfahrung von Bodenlosisgkeit und gleichzeitig von den aktuellen Bodennutzungen der Stadt geprägt.

Das Team ‚Fragmente der Imagination‘ sieht die Hacienda als einen symbolischen und emotionalen Raum, der durch die Vorstellungskraft entsteht und die Lücke zwischen der Realität und den unendlichen Möglichkeiten der Imagination überbrückt. Dieses unendliche Potential sieht die Gruppe als unbegrenzt und somit bodenlos. Das Team setzte sich die Aufgabe, einige dieser unendlichen Möglichkeiten darzustellen.